Äußerliche und innerliche Renovierung

13. Mai 2010

Nach langer Überlegung haben wir endlich unsere Wohnung renoviert. Es war nötig! Immer wieder habe ich mich über die abgestoßenen Stellen an der Wand geärgert, über den Rotweinfleck im Teppich, der nicht mehr ganz verschwand. Und dennoch scheute ich mich vor dem Aufwand: Alle Schränke ausräumen, die vielen Bücher in Kisten packen, den ganzen Staub und den Dreck, Handwerker im Haus für mehrere Tage, schlafen im Farbengestank. Ich musste mich wirklich aufraffen. Immer wieder fand ich Ausreden. Doch eines Morgens war es soweit, wir verpassten der Wohnung einen neuen Anstrich, rissen den alten Teppich raus und verlegten Parkett. Danach war vom alten Grau nichts mehr zu sehen. Aber ich fühlte mich irgendwie fremd. Der vertraute Geruch, wenn ich abends die Tür aufschloss war weg. Die Geräusche hallten anders durch die Wohnung. Ich fror. Meine Erinnerungen an das Leben in dieser Wohnung seit sieben Jahren waren verloren. Die gesprenkelten Flecken auf der Tapete: Es war am Valentinstag, als ich für meinen Liebsten ein Candle-Light-Dinner zauberte und über meine eigenen Füße stolperte (sonst trage ich auch eher Hausschuhe in der Wohnung und keine High-Heels). Die Terrine mit der Rotweinsoße fiel zu Boden und klatschte gegen die Wand. Oder das kleine Brandloch unter dem Küchentisch: Bei der Silvesterparty 2008, als das Tischfeuerwerk nicht auf dem Tisch zündete sondern erst auf dem Fußboden. Oder der Ruß aus dem Kamin, der nach vielen schönen Winterabenden an der Decke wolkenähnliche Gebilde zeichnete. Oder der Wasserfleck auf dem Wohnzimmerteppich: Als ich mich als Gas- und Wasserinstallateurin versuchte und beim Luft ablassen, der kleine Hahn aus der Heizung im hohen Bogen in die gegenüberliegende Zimmerecke flog. Das Wasser schoss nur so heraus und ich stand sekundenlang wie erstarrt vor dem Chaos, bis ich geistesgegenwärtig einen Eimer aus der Küche holte, waren schon gefühlte hundert Liter Wasser im Teppich versickert. Der Schock saß tief und erst nach drei Jahren versuchte ich mich erneut an der Heizung. Ich könnte noch viele kleine Geschichten erzählen…Ich vermisse die Flecken. Vermisse ich das Gefühl der Geborgenheit? Unsere Wohnung muss erst wieder zum Heim werden. Ich muss ihr Zeit geben und am besten einige Party feiern. Danach gibt es immer was zu renovieren!

Veränderungen – egal in welcher Form – brauchen Mut und Zeit.

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