Unsere Lebenslandkarte

22. Mai 2010

Zufällig (sie ist mir zugefallen) fiel mit eine alte „Psychologie heute“ aus dem Jahr 2007 in die Hände. Daraus habe ich einen interessanten und immer noch aktuellen Beitrag für meinen blog zusammengefasst. Hierbei geht es um die Muster unseres Lebens. Dass uns unsere Kindheit stark beeinflusst, ist uns bekannt. Wie aber können wir uns aus deren Fängen befreien? Wenn wir immer wieder „falsche“ Entscheidungen treffen, uns immer wieder mit den Falschen einlassen. Wir uns mit Selbstzweifeln quälen und nicht aus den Fehlern lernen. Dann sind wir möglicherweise in der Kindheit gefangen. Obwohl wir doch als Erwachsene mitten im Leben stehen. Aber dann überschwemmen uns Empfindungen, die gar nicht in die Gegenwart passen: Wir fühlen uns hilflos und alleine gelassen. Wir trauen uns nichts zu, halten uns für Versager. Klammern uns verzweifelt an unseren Partner, weil wir Angst haben, er könnte uns verlassen. Das Verhalten gleicht mehr dem eines Kindes als eines Erwachsenen. Meist lösen Misserfolge, Trennungserlebnisse oder Überforderungen solche Gefühle in uns aus. Das sind normale Reaktionen, aber wenn sie den Alltag überschatten und sich als ständiger Begleiter in unsere Seelenwelt einnisten, dann erhalten sie Macht über uns. Wir sprechen von Schicksal, wenn wir uns immer wieder in den Falschen verlieben oder sprechen von unserer Unfähigkeit richtig lieben zu können. Wir schützen uns vor Gefühlen, nehmen unsere Bedürfnisse nicht ernst und ergeben uns der unerklärlichen Niedergeschlagenheit.

Im Erwachsenenalter wiederholen sich die Erfahrungen, die man früh in seinem Leben machen musste. Muster bestimmen unser Denken und Handeln, bestimmen unsere Stimmungen und das Selbstwertgefühl. Habe ich ein konstruktives Muster gespeichert, gehe ich mit Zuversicht und einem stabilen Selbstvertrauen durchs Leben. Hinderliche Muster entstehen durch destruktive, schmerzliche Erlebnisse in der frühen Kindheit und können heute auf vielfältige Weise schädlichen Einfluss nehmen. Psychologen und Lebensberater sprechen von „Glaubenssätzen“, wie z. B.: „Aus dir wird nie etwas“, „Du hast zwei linke Hände“, „Du bist total unsportlich“. Sicherlich finden Sie eine Menge davon in Ihrem Erinnerungsschatz. Tausendmal haben wir gehört und erlebt, dass wir so, wie wir sind, nicht recht waren. Wir waren zu faul, zu zappelig, zu ängstlich, zu laut, zu träge, zu dumm… So wurde ein tiefes Misstrauen uns selbst gegenüber begründet. Die Überzeugung: „Ich kann nichts“, ist nur eines von vielen möglichen Mustern, die sich aufgrund früherer Erfahrungen herausbilden können. Alles ist auf einer Lebenslandkarte eingezeichnet. Eric Berne sagte einst: „Die Menschen werden als Prinzen und Prinzessinnen geboren, bis ihre Eltern sie in Frösche verwandeln“. Natürlich spielen auch genetische Faktoren eine gewisse Rolle, aber den größten Einfluss auf die Entstehung eines Musters haben Bezugspersonen, die zentrale Bedürfnisse des Kleinkindes erfüllen.

Mein primäres Muster ist – Abhängigkeit. Wer, wie ich, mit übertrieben verwöhnenden und führsorglichen Eltern aufwuchs oder zu früh sich selbst überlassen wurde, hat damit zu kämpfen. Die übertriebene Fürsorge der Eltern lässt dem Kind keine Chance, ein Gefühl für seine eigenen Fähigkeiten zu entwickeln und sich als autonom und unabhängig zu erleben. Gedanken, wie „Mir wächst das alles über den Kopf“, „Das schaffe ich nie“ oder „Wie soll ich das allein bewältigen“ sind typisch für dieses Muster wie auch unbegründete Angstzustände. Ich habe früh gelernt, mich inkompetent zu fühlen. Da ich mir wenig zutraute, traf ich ungern eigene Entscheidungen, hielt andere für klüger und suchte ständig Rat und verharrte in Partnerschaften, die mir nicht gut taten.

Gleichgültig in welchem Muster man gefangen ist, für alle gilt: Sie waren früher einmal sinnvoll, denn wir mussten uns in unserer Entwicklung vor schmerzhaften Erlebnissen schützen. Aber heute hat sich Umwelt und Person verändert – wir sind erwachsen geworden und unabhängig. Wie kann ich mich aus der Lebensfalle befreien? Identifizieren Sie Ihr Muster. Spüren Sie die Falle auf. Widerlegen Sie das Muster. Brechen Sie das Verhaltensmuster auf und „programmieren“ Sie sich neu.

Der Psychologe Jeffrey Young hat bislang 18 Muster, oder wie er es nennt, Schemata identifiziert: Verlassenheit, Misstrauen, Selbstaufopferung, emotionale Entbehrung, Abhängigkeit, überzogene Erwartungen, um nur einige zu nennen. Wenn Sie herausfinden möchten, welches Schemata Sie vielleicht gefangen hält, schreiben Sie mir. Es gibt einen einfachen Test, mit dem Sie das herausfinden können.

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