Arbeit und Beziehung

4. Oktober 2010

In meinem Freundeskreis gibt es immer mehr Paare, die Ihre Arbeit mit Ihrer Beziehung nicht mehr vereinbaren können. Viele Aussagen wie diese, höre ich (egal von welcher Seite): „Ich kann nicht in beiden Bereichen alles geben“, „Abends will ich meine Ruhe, ich bin einfach platt“, „Überall nur noch Druck“ usw.

Als Anregung möchte ich Ihnen folgende Fragen zum Nachdenken stellen (auch geeignet als Anlass für einen gemeinsamen Abend).

Welchen Stellenwert hat meine Arbeit für mich?

Welche positiven Impulse aus der Arbeit bereichern unsere Beziehung? Was gibt es für Beispiele dafür?

Welche negativen Aspekte der Arbeit belasten unsere Beziehung? Was können wir dagegen tun?

Was erwarte ich von meinem Partner (meiner Partnerin) in Bezug auf seine (ihre) Arbeitssituation?

Welche Art von Arbeit wäre nicht nur Broterwerb, sondern auch Spaß? Warum wähle ich sie nicht?

Welche Unterstüztung erwarte ich von meinem Partner (meiner Partnerin) für meinen Arbeitsalltag?

Aus der Beziehungskiste von Féderic Hirschi + Werner Troxler.

4 Reaktionen zu “Arbeit und Beziehung”

  1. Raimundam 16. November 2010 um 20:11 Uhr

    Hmmm … darf ich mir ein wenig Skepsis erlauben? „Ich kann nicht in beiden Bereichen alles geben“ … vielleicht muss man gar nicht alles geben? Vielleicht ist „alles“ manchmal viel weniger als gedacht? Vielleicht ist „dieses bischen“ manchmal genau der Punkt? Kaffee verdirbt, wenn er nur ein ganz klein wenig über den Punkt geröstet wird …

    Die Unvereinbarkeit von Partnerschaft und Beruf ist selten substanziell … aus meiner Sicht. Die Unfähigkeit, loszulassen, oder sagen wir besser: eine nicht gut entwickelte Fähigkeit, loszulassen, schon. Manchmal muss man die persönliche Beziehung einfach hinten an stellen, weil (mir?) momentan etwas anderes gerade wichtiger ist und wenn mein Partner mich liebt, wird er/sie das akzeptieren. Und manchmal ist man nicht in der Lage, im Beruf mehr zu geben, weil einem zu viele private Sachen durch den Kopf gehen. Das ist nicht immer richtig, aber auf jeden Fall auch nicht immer falsch.

    Leben, so platt das klingen mag, ist ein Lernprozess. Vor allem ein Lernprozess in Blickrichtung auf das Thema Liebe. Wir müssen lernen, uns selbst zu lieben … oder besser: unser Selbst zu lieben – und das kann sich u.a. darin ausdrücken, dass wir unser Gegenüber lieben, aber vielleicht nicht das, was der gerade macht … 🙂 … oder eben darin, dass wir das, was wir beruflich gerade gemacht haben, als das akzeptieren, was in diesem Augenblick eben das beste war – morgen ist wieder etwas anderes … 🙂

    Wir müssen lernen, uns selbst zu lieben … wir MÜSSEN … darin haben wir keine Wahl, nur darin, wie lange wir dafür benötigen … 🙂

  2. Andrea Mohram 16. November 2010 um 20:32 Uhr

    Hallo Raimund, es freut mich, dass auch Männer meinen blog lesen. Ich danke Ihnen für Ihre Sicht auf die Dinge. Das Thema „Loslassen“ spielt selbstverständlich eine wichtig Rolle. Für mich heißt loslassen nicht, jemanden zurechtrücken, sondern ihn unterstützen. Ich frage aber provokant, wie lange ist ein Partner fähig und belastbar, den anderen zu unterstützen. Es kommt – wie immer im Leben – auf die Balance an. Und hier ist es manchmal nötig, die Waagschalen neu zu bewerten. Ihre Andrea Mohr

  3. Raimundam 16. November 2010 um 21:32 Uhr

    „Wie lange ist ein Partner fähig und belastbar, den anderen zu unterstützen“ … offen gestanden, ich weiß es nicht! Ich weiß auch nicht, ob das denn ein Maß ist oder sein kann. Man sagt „genug“, wenn es eben genug ist und alles ist in Ordnung so – auch wenn man vielleicht hinterher sagt, „hätt‘ ich so nicht machen müssen …“ oder wenn das der andere (oder viele andere) sagt/sagen

    Worum es mir geht, ist viel eher, sich selbst zu akzeptieren. Es ist eigentlich nie die Frage, was der Partner macht oder braucht. Die Frage lautet immer: „Was und wieviel will ich dieser Partnerschaft (noch) geben?“ Und wenn die Antwort lautet, „mehr nicht“, dann ist das eben so. Mir ging es ja aber nicht um die Partnerschaft an und für sich, sondern um die Frage, ob man „beidem“, also Beruf und Beziehung, immer 100% geben kann – ich würde in diesem Falle eher fragen, ob man denn jemals weniger als 100% gibt, denn manchmal sind 100% heute keine 10% von gestern … 🙂 … es ist also eine Frage der Klarheit. Niemand beendet eine Beziehung, weil der Stress im Beruf so groß geworden ist … 🙂

    Beziehungen beginnen, dauern an und enden. Wie lange dieser Zyklus jeweils dauert ist unterschiedlich – so what? Ich hatte einmal das Vergnügen, eine sehr lebenserfahrene, wunderbare alte Dame danach zu fragen, wann es denn richtig sei, eine Partnerschaft zu beenden. „Na, das ist einfach,“ antwortete sie mir und schaute mich fest an. „Wenn dich die Trennung weiter bringt, dann bringt das den Partner auch weiter, und wenn es dich nicht weiter bringt, ist eine Trennung sowieso sinnlos …“ … großartig, nicht wahr? 🙂

    Herzlichen Gruß in den Abend

    Raimund

  4. Andrea Mohram 17. November 2010 um 17:47 Uhr

    Die Antwort der alten Dame werde ich mir merken Raimund. Danke nochmals für Ihr feedback. Herzliche Grüße
    Andrea

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