Gedenken

22. November 2010

Im Frühjahr verstarb meine Mutter mit 69 Jahren an einem Gehirntumor. Ich war froh, dass in dieser Zeit das Licht  und das Erblühen der Natur mir die schönen Dinge des Lebens zeigten und mich nach vorne blicken ließen, aber ich fürchtete mich vor dem nebligen November, der Dunkelheit und des Sterbens der Blätter. Wenn der Himmel  sich wolkenverhangen zeigt und nasskalte Temperaturen von unten die Beine hochziehen.

Bildquelle: Rolf / pixelio.de

Totensonntag, Allerheiligen, was hatte ich bis dahin damit zu tun? Durch viele Gespräche mit anderen Betroffenen, Gedichten und Spaziergängen in der Natur habe ich erstmals den November und die Trauertage aktiv genutzt, um an geliebte Menschen zu denken, für sie ein Licht anzuzünden. Zwiegespräche zu halten. Zu danken, dass ich mit ihnen sein konnte. Ich begehe die „Brücke zwischen dem Land der Lebenden und dem Land der Toten“, wie Thornton Wilder es beschrieb.

Auch KlientInnen in ähnlichen Situationen habe ich schon dabei unterstützt, die Trauer anzunehmen, anzukommen in der Stille und zu spüren, ist noch etwas offen zwischen ihnen? Fällt es schwer loszulassen? Dann schreiben wir einen Brief, auf schönem Briefpapier, und übergeben diesen mit einem Ritual. Wo ist jedem selbst überlassen, in eine Flaschenpost, vergraben am Lieblingsort, versenden an einen Traumurlaubsort – egal, Hauptsache abschicken!

Lassen Sie uns einen Gang zurück schalten und begrüßen Sie das neue Lebenstempo. Ich be-Sinne mich, gerade wenn alle anderen hektisch an mir vorbei rennen. Ich will mich in diesem Jahr nicht davon anstecken lassen.

Das ist für alle Trauernden (mir hat es sehr geholfen):

Stehe nicht an meinem Grab und weine.
Ich bin nicht dort, ich schlafe nicht.
Ich bin wie tausend Winde, die wehen.
Ich bin das diamantene Glitzern des Schnees.
Ich bin das Sonnenlicht.
Ich bin der sanfte Herbstregen.
Ich bin der Morgentau.
Wenn du aufwachst in des Morgens Stille,
bin ich der flinke Flügelschlag friedlicher Vögel im kreisenden Flug.
Ich bin der milde Stern, der in der Nacht leuchtet.

Stehe nicht an meinem Grab und weine
Ich bin nicht dort, ich bin nicht tot.
Ich vergesse dich nicht

(altes Gebet der Hopi Indianer)

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