Und was machen Sie so?

20. Dezember 2010

Vor ein paar Tagen beim Small-Talk auf der Weihnachtsfeier meines Lebensgefährten: „Was machen Sie denn so Frau Mohr?“ „Beruflich? Oder was ich gelernt habe? Oder was ich gerade tue, auch wenn ich damit nicht meinen Lebensunterhalt verdiene? Ich beginne im Januar auch eine Fortbildung, soll ich Ihnen sagen, was ich dann bin?“

Bei solchen oder ähnlichen Fragen kam ich schon so oft ins Stottern. Was soll ich bloß in den Meldezettel des Hotels schreiben? Als ich kürzlich meine Tochter fragte, was ich beruflich mache, antwortete sie: „Du berätst die Menschen, ob sie wollen oder nicht!“ Danke auch. Den Nebensatz habe ich schon verstanden, mein liebes Kind. Aber das ist ein anderes Thema.

Früher nannte man bei solchen Fragen seinen Ausbildungsberuf, denn mit ziemlicher Sicherheit arbeitete man auch in ebensolchem, manche Menschen sogar ihr Leben lang. Heute weiß ich, dass sich die Glücklichen mit Ihrem Beruf identifizieren konnten, oder ihm keine so große Bedeutung beimaßen.

Nach dem Abitur besuchte ich eine Sprachschule, die ich nach zwei Jahren als staatlich geprüfte Fremdsprachenkorrespondentin abschloss und nach einem weiteren halben Jahr als IHK-Übersetzerin verließ. Meine ersten Berufserfahrungen machte ich in verschiedenen Hotels, erst als Group Reservations Coordinator, dann als Reservations Supervisor und später sogar als stellvertretende Direktorin. Nun wurde ich Familienmanagerin, daraus entließ ich mich selbst nach vier Jahren, um als Sales Assistant wieder einem männlichen Manager unterstellt zu sein. Abwechslung verschaffte ich mir in verschiedenen Unternehmen und Branchen von Schmuck bis Payment Terminals als Assistentin der Geschäftsführung, um dann als Office Managerin zu enden. Jetzt erwachte mein Verlangen nach Fortbildung und so wurde ich Personal Coach/psychologische Beraterin. Ach, fast hätte ich es vergessen – ich war auch in einer Personalberatung tätig, als was eigentlich? Assistant, Analyst, Associate? Hohe Ideale ließen mich drei Jahre lang in die Stiftungslandschaft blicken. Meine neueste Errungenschaft ist die Weiterbildung zur Laufbahnberaterin. Ach, meine freiberufliche Tätigkeit als Coach gibt es ja auch noch seit nunmehr vier Jahren. Welche Genugtuung hatte ich empfunden, als ich mich schließlich ohne Zögern so nennen konnte. „Sie wissen doch, dass es die Berufsbezeichnung „Coach“ nicht gibt, sie ist nicht geschützt – Mist. Jetzt habe ich einen Beruf, den es gar nicht gibt, oder was? Gut, dann bin ich eben Laufbahnberaterin. „Ach, sie trainieren Marathonläufer?“ „Wie bitte? Laufbahn – das haben Sie wohl was falsch verstanden.“

Ab Januar besuche ich die hessische Heilpraktikerschule und werde Heilpraktikerin. Darunter kann dich doch jeder etwas vorstellen, oder?

Aber das allerwichtigste; Meine Jobs haben mir immer Spaß gemacht, immer zu ihrer Zeit. Heute weiß ich, dass mich jeder weitergebracht hat und ich mich weiterentwickeln muss. Das ist mein Weg. Gerne wollte ich irgendwo ankommen, meiner Tochter einen Beruf nennen, den ihre Freunde kennen. Beim Smalltalk nur ein Wort nennen: Lehrerin oder Anwältin. Aber den einen Beruf gibt es für mich nicht. Und so bin ich eine Berufswandlerin. Soll ich mir die Bezeichnung schützen lassen. Viele liebe Grüße Andrea.

3 Reaktionen zu “Und was machen Sie so?”

  1. Silke Rischeam 21. Dezember 2010 um 13:03 Uhr

    Berufswandlerin?

    Das ist genau der Name, den ich auch für mich gesucht habe !
    Danke für diese Wortschöpfung !

    Meine Berufe und Tätigkeiten lassen sich auch nicht in einem Wort ausdrücken. Von Fremdsprachen und Übersetzungen über Unterrichten und Immobilien zu Veranstaltungsmanagement und Kleinkunst. Zwischendrin Hausverwaltung und Suggestopädie. Und Kindererziehung wäre auch noch anzubieten … Wer weiß, was noch kommt ?!

    Neugierig bleiben, weiterbilden, weiterentwickeln, Ausschau halten, Neues wagen – das ist doch der beste Beruf bzw. die beste Berufung, oder?

  2. Andrea Mohram 21. Dezember 2010 um 13:35 Uhr

    Liebe Frau Rische, danke für Ihren Beitrag. Es fühlt sich gut an, dass es mehr von unserer „Art“ gibt. Halten Sie mich auf dem Laufenden. Mit uns wird es eben nie langweilig. Wandeln Sie erfolgreich weiter. Ihre Andrea Mohr

  3. Tobiasam 13. Januar 2011 um 15:09 Uhr

    Ich bin ja seit einer Woche stolzer Besitzer des Ipad und finde es toll, dass der Blog im Safari richtig dargestellt wird.

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