Im März nach alten Kinderbüchern kramen

28. Februar 2011

Früher habe ich jeden Abend meiner Tochter vor dem Schlafengehen eine Geschichte vorgelesen, manchmal auch über Tage ein ganzes Buch. Sie war glücklich und konnte entspannt einschlafen und ich habe in vielen Büchern einen tieferen Sinn erkannt, den ich beim ersten Lesen des Buches nicht erkannt hatte. So auch häufig in den wundervollen Büchern von Michael Ende. Da meine Tochter schon lange keine Geschichten von mir mehr hören möchten, erzähle ich Ihnen meine Lieblingsauszüge. Heute habe ich für Sie eine Passage aus „Momo“:

Der alte Straßenkehrer Beppo verrät seiner Freundin Momo ein Geheimnis.

„Siehst du, Momo“, sagte er dann zum Beispiel, „es ist so: Manchmal hat man eine sehr lange Straße vor sich. Man denkt, die ist so schrecklich lang; das kann man niemals schaffen, denkt man.“

„Und dann fängt man an sich zu eilen. Und man eilt sich immer mehr. Jedesmal, wenn man aufblickt, sieht man, dass es gar nicht weniger wird, was noch vor einem liegt. Und man strengt sich noch mehr an, man kriegt es mit der Angst, und zum Schluß ist man aus der Puste und kann nicht mehr. Und die Straße liegt immer noch vor einem. So darf man es nicht machen.“

„Man darf nie an die ganze Straße auf einmal denken, verstehst du? Man muss nur an den nächsten Schritt denken, an den nächsten Atemzug, an den nächsten Besenstrich. Und immer nur an den nächsten.“

„Dann macht es Freude; das ist wichtig, dann macht man seine Sache gut. Und so soll es sein.“

„Auf einmal merkt man, dass man Schritt für Schritt die ganze Straße gemacht hat. Man hat gar nicht gemerkt wie, und man ist nicht außer Puste.“

„Das ist wichtig.“

Genießen Sie den Wechsel der Jahreszeiten und spüren Sie in sich hinein. Sonnige Tage wünscht Ihnen Andrea Mohr

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