Burn-out und die Sinnfrage

23. Februar 2013

„Wer ein Warum zum Leben hat, erträgt was jedes Wie“ Friedrich Nietzsche

1970 trat der Begriff „Burn-out“ erstmals in Amerika im Zusammenhang mit Pflegeberufen auf. Seit den 1990er Jahren wurde der Begriff auch im Zusammenhang mit zahlreichen anderen Personengruppen in Verbindung gebracht. Dazu gehören unter anderem Politiker, (Leistungs-)Sportler, Forscher, Lehrer oder Langzeitpflegende kranker Angehöriger. Heute kann es jede/n treffen. Und es trifft viele.

Mediziner und Psychologen ringen um eine klare Definition. Erst wenn sie gefunden ist, können Depressive die angemessene Therapie erhalten und Überforderte Unterstützung im Alltag erhalten. Nach der Burn-out-Erkenntniswelle folgt nun eine Art Burn-out-Übertreibung. Die Vokabel steht mittlerweile für fast alle Arten psychischer Beschwerden, die in Verbindung mit hoher Arbeitsbelastung auftreten. Das Gute daran ist die Aufmerksamkeit der Gesellschaft auf ausbeuterische Unternehmen, die Sensibilität der Angehörigen und das kleiner werdende Stigma einer psychologischen Belastungsstörung.

Wenn Sie mehr Klarheit darüber erfahren wollen, sprechen Sie mich oder meine Coaching-Kollegen an, die klar zwischen einer Depression und einem Burn-out differenzieren können und die entsprechenden Maßnahmen kennen.

Ich arbeite in meinem Coaching mit Burn-Out Klienten an der „Sinnfindung“.  Wie geht das?

Aus der Immunforschung wissen, wir dass viele Krankheitsbilder und Symptomatiken aus innerer Unzufriedenheit und Stress hervorgehen. Das gilt für eine Herz-Kreislauf-Erkrankung, genauso wie für ständige Nasennebenhöhlenentzündung wie auch für Burn-Out. Hier treffen wir wieder mal auf die Ganzheitliche Gesundheit des Menschen. Wie gehen Menschen mit ihrer Lebenssituation um, erleben sie ihr Tun als sinnvoll. Gemeinsam mit meinen Klienten finden wir das innere „Ja“ zu ihrem Tun. Burn-out Patienten machen das, was sie tun, nicht mehr aus innerer Zustimmung, sondern einfach deshalb, weil sie ihre innere Flamme nicht mehr löschen können, weil sie keinen Ausweg mehr finden. Sie machen einfach weiter, bis sie ausgebrannt sind. Die Ressource aus der sie schöpfen könnten heißt Sinn. Und nicht nur ihnen ist der Sinn verloren gegangen, sondern auch vielen Berufstätigen und Eltern fehlt er, die noch nicht ins Burn-Out gerutscht sind.

Was ist der Sinn des Lebens? Viele missverstehen das Wort und meinen, etwas sei dann sinnvoll, wenn es einen Zweck erfüllt oder dazu dient, ein Ziel zu erreichen. Aber sind wir ein Gebrauchsgegenstand, der einen Zweck erfüllt? Wie eine Hautcrème, deren Zweck darin besteht, die Haut weicher zu machen? Ich denke dabei an den treuen Arbeitnehmer, der sich jahrelang nützlich gemacht hat, immer Überstunden machte, dem Chef zunutze war und sich ganz den Zielen des Unternehmens unterordnete. Und dann, Mitte 50 plötzlich seine Kündigung bekommt. Oder seinen Arbeitsplatz gefährdet sieht. Noch fleißiger wird, sich noch öfter nützlich macht…Dieser Mann hat zwar einen Zweck erfüllt, aber dieser Zweck hat nicht sein Leben sinnvoll gestaltet. Auch möglichst viel Geld zu verdienen ist ein Zweck aber erfüllt keinen Sinn.

Die beste Burn-Out Prophylaxe ist für mich die Herz-Öffnung. Lassen Sie sich wieder Be-rühren, werden Sie Er-griffen von Ihrer Arbeit. Es kommt darauf an, sich mit dem eigenen Herzen zu verbinden und aus der alltäglichen Dynamik auszusteigen.

Praxistipp: Wählen Sie eine Musik, die Ihnen ans Herz geht und speichern sie diese auf Ihren Computer. Wenn Ihr Kopf raucht oder die Ideen ausgehen, Kopfhörer auf und fünf Minuten zuhören, das Herz berühren lassen.

Buchtipps:

1.)    Roman von Graham Greene mit dem Titel „A Burnt-Out Case“, in dem ein desillusionierter Architekt seinen Beruf aufgab, um anschließend im afrikanischen Dschungel zu leben („Aussteiger“)

2.)    Und Nietzsche lachte. Wie man mit Platon verliebt, mit Sokrates gelassen wird und trotz Kant den Sinn des Lebens findet. Christoph Quarch. Kalisch Verlag München 2012

Wie erkenne ich eine Gefährdung?
http://www.gegenkopfschmerzen.de/blog/bilder/2011/08/Burn-Out-2-e1314271693342.jpg

Die 12 Phasen im Verlauf des Burn-Out Syndroms nach Herbert Freudenberger und seiner Kollegin Gail North. Die Reihenfolge muss jedoch nicht wie in der folgenden Auflistung verlaufen:

  1. Drang, sich selbst und anderen Personen etwas beweisen zu wollen
  2. extremes Leistungsstreben, um besonders hohe Erwartungen erfüllen zu können
  3. Überarbeitung mit Vernachlässigung persönlicher Bedürfnisse und sozialer Kontakte
  4. Überspielen oder Übergehen innerer Probleme und Konflikte
  5. Zweifel am eigenen Wertesystem sowie an ehemals wichtigen Dingen wie Hobbys und Freunden
  6. Verleugnung entstehender Probleme, Absinken der Toleranz und Geringschätzung anderer Personen
  7. Rückzug und dabei Meidung sozialer Kontakte bis auf ein Minimum
  8. offensichtliche Verhaltensänderungen, fortschreitendes Gefühl der Wertlosigkeit, zunehmende Ängstlichkeit
  9. Depersonalisierung durch Kontaktverlust zu sich selbst und zu anderen Personen; das Leben verläuft zunehmend funktional und mechanistisch
  10. innere Leere und verzweifelte Versuche, diese Gefühle durch Überreaktionen zu überspielen wie beispielsweise durch Sexualität, Essgewohnheiten, Alkohol und andere Drogen
  11. Depression mit Symptomen wie Gleichgültigkeit, Hoffnungslosigkeit, Erschöpfung und Perspektivlosigkeit, erste Gedanken an einen Suizid als Ausweg aus dieser Situation; akute Gefahr eines mentalen und physischen Zusammenbruchs.

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