Eine Perle finden am Strand im Juli

14. Juli 2013

Rauher, spröder Perlmuttpanzer,
Schutz für weiches Leben innen;
Wasser spielt um Muschelhälften;
so im Einklang mit Natur
lebt am Meeresgrund: die Auster.

Doch plötzlich da! Ein leichter Schmerz!
So winzig klein, der Eindringling,
der kam und stört und will nicht weichen,
und wird zum steten Ärgernis
im einst so fraglosen Behagen.

Und durch die nahe Gegenwart
des unsichtbaren Unbekannten
entsteht auf wundersame Weise
das Schöne, das aus sich zu schaffen
die Auster nicht imstande wäre:  die Perle.

eine Perle in einer geöffneten Auster

Schimmernd, schön, geheimnisvoll,
makellose Oberfläche,
vollkommen ihre Rundung.

Willst Dichter, Du, in gleicher Weise
Schönes schaffen wie die Auster,
so warte auf das Unsichtbare
und hege Deinen Schmerz und laß
nicht ab, bis Dein Gedicht gleicht einer

Perle.

Samenkorn des Göttlichen,
Zusammenspiel von Geist und Sprache,
Idee wird Form in Poesie.

„Eure Perlen werft“, so spricht
der Herr, „nicht achtlos vor die Säue …!“*
Was in Zeit und Schmerz entstand,
das Wahre, wird von wenigen
allein als Kostbares geachtet.

gepostet von Friedrich unter gedichte.com

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